nächster Kursbeginn: Oktober 2012

 

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Wie werde ich Jäger ? – Bis zur Prüfung ein mühseliger und spannender Weg

Kreis Euskirchen - Die Kreisjägerschaft Euskirchen bietet seit 1955 jährlich einen Vorbereitungskursus für die Jagdscheinprüfung an. Beginn ist jeweils im Oktober und die Teilnehmer werden im Mai des folgenden Jahres ihre Prüfungen ablegen. Es gibt viele Anlässe, aus denen manche sich dazu entschließen, den Jagdschein zu machen. Vielleicht wurde man schon in eine Jägerfamilie hinein geboren oder wird von seinen Freunden oder Kollegen dazu animiert. Auch die Liebe zur Natur und das Interesse an Wildtieren mögen gute Gründe sein. 

Begleiten wir unseren Jagdscheinanwärter Hubertus W., der auszog, das Waidwerk zu erlernen. 

Sein Vorsatz, Jäger zu werden, war schon vor über 40 Jahren gefasst. Als „Junge vom Lande“ mit einem der schönsten Rotwildgebiete vor der Tür und in gleicher Weise denkenden Freunden, lag diese Besinnung nicht fern. Vier Freunde – und alle wollten sie Jäger werden. Doch was geschah? Na klar, was in der Jugend nicht ausbleibt, das Interesse an den Mädels gewann die Oberhand. Den Kurs kann man ja auch noch später absolvieren ...  So ging dann die Zeit ins Land. Heirat, Hausbau, berufliche Fortbildung, Sohn. --- Familienpflege stand im Vordergrund. Die familiären Verpflichtungen beherrschten die Geschehensabläufe. Irgendwann im letzten Jahr: Gelangweilter Blick ins Internet. Mal sehen, was die Jägerschaft an Nachrichten ausweist. Da gibt es den Hinweis auf den nächsten Jägerkurs. „Mensch – Du wolltest doch immer...“ Zu spät – der Infoabend ist schon gewesen. Rücksprache mit einem Freund: „Denkst  du ich könnte da noch hin? Hat das noch Zweck? Ja - und außerdem, ich bin schon 56.“ „Frage doch mal und probiere es einfach. Auf die ersten Stunden wird es nicht ankommen. Zu alt – es gehen noch ältere in den Kurs.“ Und dann dieses: „Zeig doch mal, dass Du noch was drauf hast.“ So motiviert aber mit einer gehörigen Portion Skepsis im Herzen ging er dann in die ersten Unterrichtsstunden. Erst mal reinhören, was denn da so geboten wird. Am ersten Unterrichtsabend wurden die Inhalte und Ziele des Jägerkurses vorgestellt. Na, doch ganz interessant. Interessanter als er sich das vorab vorgestellt hatte. Es sind ja auch noch einige ältere Kursteilnehmer dabei. Gott sei Dank!

 

Bevor er sich jedoch festlegt, befasst er sich intensiver mit den Lehrinhalten. Ja, doch – es sagt ihm zu. So wächst er immer mehr in den Lehrgang hinein und bleibt. Und die Leute gefallen ihm immer besser. Neun Monate lang trifft er sich mit siebzehn Unentwegten – Handwerker, Angestellte, Beamte, Schüler und Studenten, Rentner und Kaufleute – Männer und Frauen – an zwei Abenden in der Woche in Mechernich, um sich in die Geheimnisse des Waidwerks von erfahrenen Ausbildern einweihen zu lassen. Doch zunächst ist alle Jagd nur blasse Theorie. Gelernt wird anhand von Folien, ausgestopften Tieren (Präparaten), Geweihen und natürlich mit Hilfe der ausführlichen Fachliteratur. Da ein guter Schütze allein noch keinen guten Jäger ausmacht, aber ein guter Jäger unbedingt ein guter Schütze sein muss, geht es samstags zum Training auf den Schießstand.

 

Irgendwann ist es soweit, dass er sich beim Spaziergang Vorträge hält: über den Zahnwechsel des Rehwildes, die Vorschriften für den Hochsitzbau, den natürlichen Sinn der Eiruhe, die Unterschiede zwischen Schwimm- und Tauchenten, das Fleischhygienegesetz, die Bundeswildschutzverordnung und das Washingtoner Artenabkommen, über Abschusspläne und Lebensraumgutachten, über Schweinepest und Nagerseuche, über deutsche und französische Stecher, über Baskülen und Kammerstengel und über die besondere Bezeichnung von Patronen der Kaliber 8x57IS und 8x57IRS. Auf feuchten Wegen haftet sein Blick am Boden. Er sucht nach Spuren, Fährten und Geläuf. Und wenn er ein Trittsiegel mit deutlich abgebildetem Geäfter entdeckt, dann ist er glücklich, weil die Fährte des Schwarzwildes wirklich so aussieht wie im Lehrbuch.

Im Kreise der Lerngemeinschaft hat er auch neue Freunde gefunden, die mit ihm eine große Aufgabe lösen wollen. Es bilden sich Lerngruppen und an den kalten Tagen auf dem Schießstand werden wie selbstverständlich kleine Annehmlichkeiten wie Kaffee und Brötchen organisiert, sogar mal die Erbensuppe mit reichlich Wurst mitgebracht. Man gestaltet sich die Aufgabe angenehm, unterstützt einander und versorgt die Teilnehmer mit neuem Informationsmaterial, Schusstabellen und Munitionsblättern. 

Trotz der Paukerei gab es im Unterricht immer wieder viel zu lachen. Die Ausbilder vermitteln das zu erlernende Wissen kompetent und haben immer ein offenes Ohr für Fragen und Probleme. Das Erlernte muss auch im Selbststudium geübt und vertieft werden, d. h. lesen und dazulernen. Hin und wieder kam es in dieser Zeit zu kleineren Konflikten in der Familie und zu Beschwerden von Freunden, die sich vernachlässigt fühlten. Die Freizeit wurde knapp. Man setzte sich ständig selbst unter Druck, um sein Lernpensum zu erfüllen und trotzdem allen privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen. Die Familie unterstützt ihn wo sie kann. Wenn er die Jägerprüfung, „das Grüne Abitur“, bestanden hat, kann er mit einiger Berechtigung von sich sagen, in dieser Zeit fast so etwas wie eine zweite Berufsausbildung absolviert zu haben. Je näher die Prüfungstermine rücken, umso nervöser werden alle. Es wird gejammert und geklagt, gestritten und letztendlich doch wieder zusammengehalten.

 

Die erste Hürde war die schriftliche Prüfung, wer hier durchfällt, darf es erst im nächsten Jahr wieder versuchen. Entsprechend groß war die Aufregung. Einer hat es nicht geschafft – schade. 

Die zweite Hürde bestand in der Schießprüfung. Reine Nervensache, denn es wurde genug geübt, sollte man meinen. Sie ist nicht besonders schwer, man darf nur nicht nervös werden. Aber man ist nervös. Beim Übungsschießen war man immer weit über der Mindestzahl – war locker und konnte sich über einen Fehler amüsieren. Und jetzt: wo bleibt der erlösende Treffer, es wird doch eng. Aber alle haben bestanden. Der Schießausbilder freut sich fast am meisten.

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Auch bei starken Schneetreiben und Kälte ist man mit Eifer dabei - die Kälte spürt man nicht

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Nun kam der Tag der Wahrheit! Im Euskirchener Kreishaus begann die mündliche Prüfung und somit der letzte und vermeintlich schwierigste Prüfungsteil. Jeder trug eine vornehme Blässe zur Schau und versuchte sich die schweißnassen Hände an der Kleidung trocken zu reiben. Vergeblich. Die Nerven der Prüflinge waren zum Zerreißen gespannt. Die beruhigenden Worte der Ausbilder helfen etwas. Es wird noch einmal alles aus fast acht Monaten Unterricht abgefragt. Das Sachgebiet „Waffenhandhabung, - Kenntnis“ verlangt von der Anspannung her die größte Aufmerksamkeit. Waffen laden, entladen, auseinander nehmen und zusammensetzen. Dieser Teil ist besonders gefürchtet, weil der kleinste sicherheitsrelevante Fehler unweigerlich das Aus bedeutet – und ein Drilling hat drei Läufe, zwei Abzüge und einen Umschaltknopf, da gilt es den Überblick zu behalten, damit nicht ein plötzliches „Klick“ verrät, dass sich jetzt im „Ernstfall“ ein unbeabsichtigter Schuss gelöst hätte. Die Teilnehmer äußerten während des Kurses sogar die Vermutung, der Drilling sei nur für die Prüfung entwickelt worden.

Geschafft!!! Die Sorgen und der Stress sind vergessen, alle Anspannung hat sich in Luft aufgelöst. Man ist einfach nur stolz und zufrieden mit sich selbst. Unser „Jungjäger“ freut sich mit den anderen und versucht die beiden zu trösten, die es nicht geschafft haben. Die Prüfung ist bestanden, das Jagen kann beginnen, falls man eine Gelegenheit zum Jagen findet. Hubertus hat eine Gelegenheit gefunden – bei einem Freund auf Fuchs, Tauben und sogar Schwarzwild. Ein Traumstart. Als geprüfter Jäger gehört Hubertus W. fortan zu den 0,4 % der Bevölkerung (vier Jäger auf 1000 Bundesbürger), denen man vertraut und zutraut, dass sie auf Grund ihres fachlichen Könnens und ihrer inneren Einstellung zur Natur, die Jagd fachgerecht und verantwortungsvoll ausüben. Waidgerecht eben, wie es bei den Waidmännern/-frauen heißt.

 

Nach der Prüfung gibt es keinen Entzug vom „Lernen“. Das Bläsercorps des Hegeringes sucht neue Mitglieder für die Musik als jagdliches Brauchtum und ein Jäger sollte auch einen brauchbaren Hund haben. Der Jagdgebrauchshundeverein der Kreisjägerschaft bietet dann die Ausbildung für Hund und „Herrchen“ an; natürlich mit Prüfung.


So wird man Jäger/in

Wer in Deutschland die Jagd ausüben will, benötigt einen auf seinen Namen lautenden, gültigen Jagdschein. Zuvor muss jedoch die Hürde der Jägerprüfung genommen werden, denn erst nach bestandener Prüfung kann ein Jagdschein gelöst werden. Die zuständige Behörde muss allerdings die Erteilung eines Jagdscheins denjenigen versagen, bei denen Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie die erforderliche Zuverlässigkeit oder körperliche Eignung nicht besitzen. Das Mindestalter für die Jägerprüfung ist 16 Jahre. 

Die Kreisjägerschaft Euskirchen e.V. bietet einen Vorbereitungslehrgang für Jungjäger an. Dieser Lehrgang, der an zwei Abenden pro Woche durchgeführt wird, dauert rund acht Monate und umfasst Theorie und Praxis. Während des Unterrichtes werden alle für die Prüfung wichtigen Fachgebiete von Fachleuten vermittelt. Hinzu kommt die Schießausbildung auf einem Schießstand, um den sicheren Umgang mit der Waffe zu trainieren.

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Für die Prüfung muss der Jagdscheinanwärter umfassende Kenntnisse in folgenden Sachgebieten in Praxis und Theorie erwerben: Wildbiologie, Wildhege, Jagdbetrieb, Wildschadensverhütung, Land- und Waldbau, Waffenrecht, Führung von Jagdhunden, Behandlung des erlegten Wildes unter besonderer Berücksichtigung der Wildbrethygiene, Jagdschutz, Tierschutz, Naturschutz und Landschaftspflege. In der praktischen Ausbildung steht der sichere Umgang mit der Jagdwaffe und der Kurzwaffe (Pistole und Revolver) an erster Stelle. Die Schießfertigkeit wird auf einem Schießstand mit Langwaffen (Büchse/Kugel und Flinte/Schrot) und der Kurzwaffe trainiert. Durch Reviergänge und Exkursionen werden Kenntnisse der Revierpraxis und der Jagdorganisation vermittelt sowie das Wissen über Flora und Fauna vertieft. Es empfiehlt sich, in kleinen Lerngruppen den Unterrichtsstoff nachzubereiten.

Die Prüfung gliedert sich in drei Abschnitte: - Schießprüfung - schriftliche Prüfung - mündlich / praktische Prüfung. Die Jägerprüfung findet einmal pro Jahr statt. Aufgrund der hohen Anforderungen wird jeder Prüfling jeweils an einem Tag nur in einem Prüfungsabschnitt geprüft. Somit beträgt der Prüfungszeitraum drei Tage für jeden Prüfungsteilnehmer. Bei der Schießprüfung müssen die Jagdscheinanwärter ihre Schießfertigkeit mit der Büchse (Kugel) und der Flinte (Schrot) sowie den sicheren Umgang mit der Jagdwaffe unter Beweis stellen. Dabei sind Mindestergebnisse festgelegt. Mangelhafte Leistungen in der Schießprüfung können nicht durch gute Leistungen in den anderen Prüfungsteilen ausgeglichen werden. In der schriftlichen Prüfung sind Fragen aus den oben genannten Prüfungsfächern im Multiple-Choice-Verfahren zu beantworten. Im mündlichen Teil wird der Prüfungskandidat von einer mehrköpfigen Prüfungskommission in allen Unterrichtsfächern geprüft. Hierbei wird dem Fach Waffenkunde und -handhabung ein hoher Stellenwert beigemessen. Fehlerhafte Handhabung und die Verletzung von Sicherheitsaspekten führen unweigerlich zur Beendigung und nicht Bestehen der Prüfung. 

Die Jägerprüfung ist eine staatliche Prüfung. Der Prüfungskommission müssen daher immer Vertreter der Jagdbehörde angehören. 

Auf Initiative des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen wurde 2002 die Prüfungsordnung so geändert, dass die "Durchfaller" nach einer Karenzzeit von drei Monaten die Möglichkeit einer Nachprüfung haben. In dieser Zeit besteht die Möglichkeit, das fehlende Wissen nachzuholen. "Wir schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens verliert derjenige, der einen schlechten Prüfungstag erwischt hat bis zum nächsten Prüfungstermin nicht direkt ein ganzes Jahr. Das hatte bisher zahlreiche Interessenten von der Jägerprüfung abgehalten. Zweitens wird der hohe Prüfungsstandard, der die Jäger als Partner der Natur ausweist, dennoch sichergestellt", lobt der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Euskirchen e.V., das Verfahren.